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  • Chinas Seidenstraßeninitiative boomt wieder: Wie geht Trump dagegen vor?

    Trump verfolgt das Ziel, die Produktionskapazitäten Chinas durch Drohgebärden gegenüber dessen Verbündeten, von denen es Rohstoffe bezieht, zu schmälern und eine asiatische Integration im Sinne Pekings zu verhindern.

    Das jüngste Treffen des chinesischen Staatschefs Xi mit US-Präsident Donald Trump in Südkorea führte zu einem brüchigen Waffenstillstand im Handelsstreit der beiden Staaten. Der Konflikt dürfte Chinas Aufstieg zur Weltmacht bremsen. Von daher sieht Xi die Lösung für die von Trump verursachte Instabilität in einer alternativen Weltordnung, die den Rest der Welt enger an China bindet. Die „America First“-Politik verprellt Verbündete, schwächt Allianzen und trübt das Image der USA als Weltmacht. China sieht darin die Chance, sich als verlässlicher Partner in der Welt zu etablieren. Zwar konnte die Regierung unter Joe Biden eine „vereinte Front“ des Westens gegen China zusammenbringen, doch die aggressive Handels- und Außenpolitik unter Trump zerstört traditionelle Partnerschaften und treibt Staaten im Globalen Süden in die Arme Chinas.

    Die gewaltigen Produktionskapazitäten für Industrie- und Konsumgüter treiben Chinas Expansion seit Jahren nach außen voran. Um die geschwächte Nachfrage im Inland auszugleichen, intensiviert Peking seine Investitionen, Marktzugänge und diplomatischen Offensiven in Überseemärkten. Durch Infrastrukturprojekte, Rohstoffpartnerschaften und technologische Kooperationen sichert es seine globale Präsenz und seinen Einfluss.

    Die Schwächung des von den USA geführten Bündnissystems und Trumps transaktionaler Politik eröffnet Peking neue Spielräume in der Weltpolitik. Hier kommt die Seidenstraßeninitiative (BRI) ins Spiel. Noch vor nicht allzu langer Zeit fragten sich einige Beobachter, ob China dieses gigantische Infrastrukturprojekt, dem sich die meisten der rund 130 armen oder Entwicklungsländer des Globalen Südens angeschlossen haben, einstellen würde. Xi Jinping rief das Projekt 2013 ins Leben, um durch den Bau von Häfen, Eisenbahnstrecken, Kraftwerken usw. Wachstum und Handel anzukurbeln. Die BRI sah sich jedoch bald mit Vorwürfen konfrontiert, sie würde Länder mit Schulden erdrücken und die Umwelt schädigen. China begann daraufhin, seine Kredite zurückzufahren. In Europa sprach man sogar von einem Gegenangebot namens „Global Gateway”.  Mit diesem ehrgeizigen Infrastrukturvorhaben wollte die Europäische Union ihren internationalen Einfluss zurückgewinnen und ein Gegenangebot zur Seidenstraßeninitiative Chinas schaffen.

    Während Europa aktuell aufgrund des Krieges in der Ukraine und der Zölle Trumps um seine Existenz kämpft, sind die Investitionen in die BRI seit 2023 wieder deutlich gestiegen und haben Rekordwerte erreicht. Die Chinesen sind hoch motiviert, das Projekt wieder hochzufahren. Denn es trägt dazu bei, den Handel zwischen China und dem Globalen Süden anzukurbeln und die Märkte für chinesische Waren zu erweitern, die durch Trumps Zölle in den USA unerschwinglich geworden sind.

    Die USA sind nach wie vor der wichtigste Abnehmer chinesischer Waren. Ihr Anteil an den chinesischen Exporten ist jedoch seit den eskalierenden Handelsspannungen während der ersten Amtszeit von Präsident Trump deutlich gesunken – von fast 20 Prozent in den ersten neun Monaten des Jahres 2018 auf unter 12 Prozent im gleichen Zeitraum dieses Jahres. Der globale Süden gleicht mittlerweile diese Lücke aus. So stiegen die Exporte in die zehn Mitgliedstaaten des Verbandes Südostasiatischer Nationen (ASEAN) im September im Jahresvergleich um 15 %, ebenso wie die Exporte in Länder Lateinamerikas. Chinas Exporte nach Afrika legten sogar um fast 57 % zu. Mittlerweile machen die Länder des Globalen Südens mehr als die Hälfte von Chinas globalem Handelsüberschuss aus.

    Xi Jinping sieht in der Neuen Seidenstraße (BRI) unter anderem auch geopolitische Vorteile. Seit 2013 umfassten chinesische Investitionen und Aufträge im Rahmen der BRI mehr als 1,3 Billionen US-Dollar in 150 Ländern. China erhofft sich, dass dieses Mittel andere Länder dazu bewegen wird, es in multinationalen Foren – allen voran in der UNO – zu unterstützen. So haben beispielsweise bereits rund 70 Länder die von China propagierten Formulierungen übernommen. Diese besagen, dass „alle Anstrengungen“ unternommen werden sollten, um die Wiedervereinigung mit Taiwan zu erreichen, was impliziert, dass militärische Gewalt akzeptabel ist. Die meisten dieser Länder sind Unterzeichner der Neuen Seidenstraße.

    Trumps Strategie gegen China

    Die Seidenstraße ist für Peking vor allem deshalb so wichtig, weil der chinesische Handel und die Energieversorgung bisher von der Straße von Malakka (der Meerenge zwischen Singapur und Indonesien) abhängig waren. Peking versucht, diese Abhängigkeit durch die Neue Seidenstraße zu umgehen. Um diesem „Malakka-Dilemma” zu entgehen, hat China in den vergangenen Jahren im Rahmen des Projekts „Neue Seidenstraße” den Blick auch nach Zentral- und Südasien gelenkt und den Ausbau des Landkorridors in seiner Nachbarschaft vorangetrieben. Mit anderen Worten ist die asiatische Integration der Kern der neuen Seidenstraße. China wird einen geopolitischen Erfolg verbuchen, wenn sich die Staaten Mittelasiens in die chinesische Welt integrieren. Hinzu kommt der Zugang zu billigen Ölreserven, den sich die Chinesen weltweit sichern wollen, sei es in Asien oder auf anderen Kontinenten.

    Die USA unter Trump zielen nun darauf ab, die gewaltigen Produktionskapazitäten Chinas zu schmälern, indem sie dem Land den Zugang zu Energiereserven unterbinden und eine Integration Asiens im Sinne Pekings verhindern. Im Gegensatz zu Biden kann Trump nicht auf das Bündeln von Kräften gegen China setzen. Aufgrund seines isolationistischen Kurses versucht er, den Aufstieg Chinas zur Weltmacht durch Drohgebärden und begrenzte Militäreinsätze zu verhindern.

    Trump erklärte vor kurzem überraschend, dass Washington den im Jahr 2021 aufgegebenen Luftwaffenstützpunkt Bagram in Afghanistan wieder zurückhaben wolle. Zur Begründung verwies er auf dessen Nähe zu China. In Peking schrillten daraufhin sofort die Alarmglocken. Inzwischen haben US-Medien enthüllt, dass Trump intern schon länger darauf gedrängt habe, die Taliban zur Rückgabe des Stützpunkts zu bewegen, um von dort aus den Machtausbau Chinas in der Region zu sabotieren.

    Was den Machtaufbau Chinas in Übersee betrifft, zielt Trump vor allem darauf ab, dort zuzuschlagen, wo China seine Energiequellen bezieht – Stichwörter: Venezuela und Nigeria. Mit seinen Drohgebärden gegen Venezuela treibt er den Kontinent bereits in eine gefährliche Lage. Er versucht, durch einen Regimewechsel wieder Zugang zu den gewaltigen Ölreserven zu erlangen und Chinas Machtausbau in Lateinamerika zu verhindern. Nun hat er auch Nigeria mit einem Militäreinsatz gedroht. Als Grund nannte er die „Tötung von Christen”, doch tatsächlich geht es wieder um Chinas Hunger nach Rohstoffen. Von den 39 Milliarden US-Dollar, die im ersten Halbjahr dieses Jahres nach Afrika flossen, entfielen fast 50 Prozent auf ein einziges Projekt: einen 20-Milliarden-Dollar-Auftrag an ein chinesisches Staatsunternehmen für den Bau von Öl- und Gasanlagen in Nigeria. Trump verfolgt demnach das Ziel, Chinas Zugang zu Ölreserven weltweit zu unterbinden, und will das Land von der Nachbarschaft aus provozieren und eindämmen, ohne unbedingt auf den kollektiven Westen, also die sogenannte regelbasierte Weltordnung, zu setzen.