Schlagwort: Saudi-Arabien

  • Trump bricht mit einer jahrzehntealten Nahost-Doktrin: Wie Golfstaaten Israels Schlüsselrolle herausfordern?

    Die Golfstaaten fordern Israels Rolle als wichtigster US-Partner im Nahen Osten heraus.  Trump setzt auf milliardenschwere Investitionen der reichen Golfmonarchien, um die US-Wirtschaft zu stützen. Dies erfolgt auf Kosten Israels.

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    Im November letzten Jahr empfing Präsident Donald Trump Muhammad bin Salman mit allen militärischen Ehren, wie es in der Vergangenheit den Anführern der engsten westlichen Verbündeten vorbehalten war. Trump und Bin Salman stellen das Verhältnis zwischen Golfstaaten und USA auf eine neue Grundlage. Das hatte in Trumps erster Amtszeit begonnen und wurde bei seinem Besuch im Mai 2025 in Saudi-Arabien fortgesetzt.

    In den USA scheint sich vor diesem Hintergrund ein Sinneswandel in der Sicherheitspolitik gegenüber den Partnern im Nahen Osten vollzogen zu haben: Das Pentagon erwägt derzeit den Verkauf der fortschrittlichen F-35-Kampfflugzeuge an Saudi-Arabien und Katar. Die Lieferung an die Golfstaaten würde das militärische Gleichgewicht in der Region verändern und den qualitativen militärischen Vorsprung (QME) des israelischen Militärs beeinflussen. Denn Israel verliert damit die Lufthoheit im Nahen Osten.

    Die USA sehen sich aus Sicherheitsgründen gesetzlich verpflichtet, Israels militärischen Vorsprung in der Region zu wahren. Kritiker in Israel und den USA befürchten nun, dass der F-35-Lieferung an Golfstaaten diesen Vorsprung zumindest verkürzen könnte. Bislang ist Tel Aviv das einzige Land im Nahen Osten, das über F-35-Jets verfügt. Die Vorstellung, ein weiterer Regionalstaat könnte Zugang zu vergleichbarer Technologie erhalten, sorgt in israelischen Regierungskreisen für erhebliches Unbehagen. Zwar betont die israelische Regierung, der qualitative Vorsprung bleibt gewahrt. Strategisch gesehen rücken Golfstaaten jedoch näher an Fähigkeiten heran, die lange Zeit allein Israel vorbehalten waren.

    Im November unterzeichneten Trump und Bin Salman ein bilaterales „strategisches Verteidigungsabkommen“. Saudi-Arabien verpflichtet sich darin, amerikanische Rüstungsfirmen zu bevorzugen und die USA als seinen ersten strategischen Partner zu behandeln. Mit der kürzlich erfolgten Einstufung Saudi-Arabiens als „Major Non-NATO Ally” (Katar hatte bereits diesen Status) öffnete auch Washington dem Königreich zugleich den Zugang zu sensiblerer Militärtechnologie. Die Führung des Königreichs betrachtet dies als Teil einer umfassenderen Strategie. Washington festigt mit den jüngsten Verteidigungsabkommen die Rolle der Golfstaaten als zentrale Sicherheitspartner. Für Israel bedeutet dies, dass seine privilegierte Stellung bei US-Waffenlieferungen nicht mehr selbstverständlich ist.

    Wie Golfstaaten Israels Schlüsselrolle in Nahost gegenüber USA herausfordern?

    Seit dem zweiten Amtsantritt von Donald Trump hat sich die Beziehung zwischen den Golfstaaten und den USA verändert. Golfstaaten sind nicht mehr ein bloßer Juniorpartner der USA für preiswertes Erdöl. Saudi-Arabien steht vor allem heute strategisch auf einer Stufe mit Israel. Die Beziehungen zwischen den USA und den Golfstaaten haben in den vergangenen Jahren eine Art Revolution erlebt.

    Warum Washington auf einmal die Golfmonarchien aufwertet: Öl spielt dabei kaum noch eine Rolle, stattdessen geht es um Militärtechnologie, Investitionen und Künstliche Intelligenz. Neben Energie sind nämlich Kooperationen mit Golfstaaten in den Bereichen KI und kritische Mineralien heute entscheidend für die US-Hegemonie. In beiden Bereichen bietet sich vor allem Saudi-Arabien den USA als Partner an. Königreich könnte dazu beitragen, die Vorherrschaft Chinas bei Seltenen Erden aufzubrechen und eine ununterbrochene Lieferkette sicherzustellen. Das Land verfügt über die viertgrößten Mineralvorkommen weltweit, deren Wert auf 2,5 Billionen Dollar geschätzt wird. Auch andere Golfstaaten bieten sich als Partner zur Sicherung der Lieferkette bei Seltenen Erden an, da ihre Staatsfonds schnell Kapital bereitstellen können und ihre Energiekosten zu den niedrigsten weltweit zählen. Das ist von Bedeutung, da für die Separierung der Mineralien zehnmal so viel Energie benötigt wird wie für ihre Förderung. Saudi-Arabien und die USA arbeiten diesbezüglich an der Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens für ein Werk in Saudi-Arabien, das Seltene Erden verarbeiten und in die USA liefern soll. Bereits im Oktober 2025 hatten die USA und die Vereinigten Arabischen Emirate einen Fonds mit 1,8 Milliarden Dollar für Investitionen in die Lieferketten von Seltenen Erden aufgelegt.

    Ein weiteres von Washington und Riad unterzeichnetes Abkommen regelt inzwischen die Lieferung hochentwickelter Halbleiter nach Saudi-Arabien. Mohammad bin Salman plant massive Investitionen in die USA, mit Zusagen von 600 Milliarden, die auf bis zu 1 Billion steigen könnten, um gezielt in Technologie, insbesondere Künstliche Intelligenz (KI) und andere Sektoren zu investieren, um Arbeitsplätze zu schaffen und die wirtschaftliche Partnerschaft zu stärken, – was durch die Aufhebung von Exportbeschränkungen für KI-Chips an Riad durch die US-Regierung unterstützt wird.

    Bereits beschlossen ist die Lieferung von Nvidia-Chips an das saudische Unternehmen Humain, das in großem Umfang in die KI-Infrastruktur investieren will. Während des jüngsten Besuchs des Kronprinzen in Washington gab Elon Musk bekannt, dass sein Unternehmen xAI Kunde von Humain sein werde. xAI plant den Bau eines Datenzentrums mit einer Kapazität von 500 Megawatt in Saudi-Arabien. Saudi-Arabien strebt danach, ein regionales KI-Zentrum zu werden und in Kooperation mit den USA große Teile der KI-Nachfrage in Asien abzudecken. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) investieren auch intensiv in künstliche Intelligenz, bauen ihre digitale Infrastruktur aus und fördern internationale Kooperationen. Microsoft darf nun als erstes Unternehmen unter der Trump-Regierung fortschrittliche Chips in die Emirate exportieren.

    Warum sind USA auf Investitionen der Golfstaaten angewiesen?

    Obwohl Tech-Unternehmen Milliarden in Rechenzentren für künstliche Intelligenz (KI) investiert haben, wuchsen die Erlöse langsamer als erwartet. Oracle präsentierte zuletzt enttäuschende Zahlen. Eine Finanz- und Schuldenkrise oder ein Absturz des KI-Hypes an den Börsen könnte das Ende der hegemonialen Position der USA auf den Kapitalmärkten bedeuten. Trump setzte dabei auf Investitionen der Golfstaaten, deren Rolle für eine stabile US-Wirtschaft mittlerweile unverzichtbar ist.

    2019 wurde die Aramco-Ölanlage Ziel iranischer Drohnen. Die Unterstützung von Seiten der USA blieb aus. Im September des letzten Jahres führte Israel in der katarischen Hauptstadt Doha einen Angriff auf Hamas-Kommandeure aus. Seither fordern beide Staaten Sicherheitsgarantien von den USA. Die USA sind nun bereit Sicherheit der Golfstaaten zu leisten. Denn Trump betrachtet Golfstaaten im Nahen Osten nun als geoökonomischen Verbündeten, deren Engagement US-Wirtschaft retten könnte. Seit Trumps Amtsantritt haben sich die Golfstaaten für die USA unentbehrlich gemacht. Mögliche iranische Angriffe auf kritische Infrastrukturen in Dubai oder Riad würden nicht nur die massiven Investitionen in Rechenzentren gefährden, sondern auch die Investitionstätigkeit der Golfstaaten in den USA lahmlegen und einen Crash an der Wall Street auslösen. Und diese neue Entwicklung geht letztlich zu Lasten Israels.

  • Konflikte innerhalb der Anti-Huthi-Koalition eskalieren: Die Karten im Jemen neu gemischt

    Die Anti-Huthi-Kräfte sind zunehmend zerstritten. Die wachsende Spaltung könnte den Huthi neue Vorteile verschaffen. Wird Saudi-Arabien im Jemen-Konflikt mit dem Iran gegen die Vereinigten Arabischen Emirate paktieren?

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    Im Jemen kam es zuletzt zu Kämpfen zwischen von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützten Gruppen. In den vergangenen Wochen rückten die von den Emiraten unterstützten Separatisten im Süden des Landes vor, ohne auf Widerstand der Kräfte der international anerkannten Regierung zu treffen. Der von Separatisten geführte „Südübergangsrat“ (Southern Transitional Council, STC) im Süden des Jemen stellte sich mit seinen Angriffen gegen die übrigen Verbündeten im Präsidialrat. Dessen Vorsitzender Raschad al-Alimi verließ im Zuge der Offensive des STC den Regierungssitz in Aden und floh nach Saudi-Arabien.   Mittlerweile kontrollieren die STC-Einheiten nach ihrem Vormarsch fast alle Provinzen Südjemens. Südjemen wurde bis zur Wiedervereinigung im Jahr 1990 etwa drei Jahrzehnte lang als Demokratische Volksrepublik Jemen von einer kommunistischen Regierung geführt und verfügt über große Ölvorkommen. Die eroberten Gebiete machen etwa ein Drittel des Landes aus.  Die eigentliche Regierung kontrolliert nun nur noch winzige Gebiete Jemens.

    Im Jemen tobt seit rund zehn Jahren ein Bürgerkrieg. Die beiden mächtigsten Akteure sind dabei einerseits die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz im Norden und andererseits die von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Westen unterstützte Koalition der Anti-Huthi, wobei letztere die international anerkannte Regierung in Aden ausmacht. Die „offizielle Regierung“, also der sogenannte Präsidialrat, hat ihren Sitz in Aden. Dieses Gremium besteht aus verschiedenen Ethnien und Milizen, darunter auch die STC. Der Präsidialrat war sich oft nicht einig, doch die Gegnerschaft zur vom Iran gelenkten Huthi-Bewegung war ein einigendes Element.

    Saudi-Arabien und die VAE sind von daher eigentlich Verbündete im Kampf gegen die Huthi, treten jedoch im Süden schon länger zunehmend als Rivalen auf und verfolgen in dem Bürgerkriegsland unterschiedliche Ziele. Denn der STC strebt eine erneute Unabhängigkeit Südjemens an. Während STC von den Vereinigten Arabischen Emiraten gefördert wird, unterstützt Saudi-Arabien die islamische Islah-Partei, die zur Bewegung der Muslimbruderschaft zählt und deren Vorsitzender Präsident Raschad al-Alimi ist.

    Wie es weitergeht, wird nicht im Jemen, sondern in den Emiraten und in Saudi-Arabien entschieden. Riad strebt weiterhin einen einheitlichen Staat im Jemen an, der mit den von Iran gesteuerten Huthi Frieden schließt, da diese die saudische Grenze bedrohen. Abu Dhabi hingegen unterstützt der STC und tendiert zur Abspaltung des Südens, was Zugang zu Öl und Häfen bedeuten würde. Diese Rivalität lähmt nun die Anti-Huthi-Koalition.

    Saudi-Arabien begann im März 2015 in Zusammenarbeit mit einer Reihe von Verbündeten seitens der USA und mehrerer westlicher Staaten den blutigen Krieg gegen den Huthi. Bis zum Waffenstillstand im April 2022 führten die saudischen Luftschläge zu mehr als 9.000 Todesopfern und über 10.000 Verletzten unter der jemenitischen Zivilbevölkerung. Insgesamt wurden mehr als 25.000 Luftschläge durchgeführt. Die Saudis erreichten ihre Ziele in diesem Krieg nicht und stellten sich auf einen fragilen Friedensprozess mit Huthi ein, der bis heute anhält. Nun scheren die von den VAE unterstützten Kräfte aus der Koalition der Anti-Huthi aus. Damit dürfte das Gleichgewicht zwischen den Huthi-Milizen und ihren Gegnern kippen und die Lage im Jemen erneut destabilisieren.

    Annäherung Saudi-Arabiens an den Iran bei der Jemen-Frage?

    Huthi mit Sitz in Sanaa könnten von der Uneinigkeit in der generischen Allianz profitieren. Die internen Machtkämpfe ihrer Feinde sind ein Geschenk für die schiitische Bewegung. Sie soll bereits Truppen entlang der Grenzfronten neu aufgestellt haben. Allerdings in der Offensive der Separatisten von Süden sehen Huthi auch eine Gefahr. Denn der STC kontrolliert nun große Teile der südlichen Küste, die auch die Huthi für wirtschaftliche Aktivitäten genutzt hatten, nicht zuletzt den Schmuggel.

    Saudi-Arabien ist mit dem jüngsten Schritt des STC äußerst unzufrieden. Es ist denkbar, dass das Land eine mögliche Huthi-Offensive in Richtung Süden toleriert und damit die von den VAE unterstützten Separatisten schwächt. Vor allem pflegen die Saudis derzeit gute Beziehungen zu Teheran. Hinzu kommt, dass Saudi-Arabien und Israel sich seit dem Gaza-Krieg misstrauisch beäugen und Tel Aviv seit Jahren offen Sezessionisten im Südjemen unterstützt. Es gibt schon lange Berichte, dass Israel und die VAE die jemenitische Inselgruppe Sokotra als militärischen Vorposten gegen den Iran nutzen und dort militärische Aktivitäten betreiben.

  • Nach Bomben auf Iran: Syriens Machthaber und Kronprinz Bin Salman im Weißen Haus

    Syriens Außenpolitik orientiert sich nach Abgang des proiranischen Assads gen Westen. Mohammad Bin Salman will einen Militärpakt mit USA nach NATO-Vorbild. Gemeinsame Nenner sind die Eindämmung des Irans und die Furcht vor einer israelischen Vormachtstellung.

    Nach der Zerschlagung der Hisbollah-Führung durch Israel, dem Sturz Baschar al-Assads durch Islamisten in Syrien sowie den Angriffen der USA und Israels auf Atomanlagen im Iran befindet sich die Region in einer Übergangsphase. In dieser würden Israel, die Türkei und die Golfstaaten als neue Akteure die Machtverhältnisse bestimmen. Vor diesem Hintergrund besuchte kürzlich der syrische Machthaber al-Scharaa Washington. Auf diese spektakuläre Reise folgt in der kommenden Woche auch das Treffen zwischen Trump und Mohammed bin Salman im Weißen Haus.

    Syriens Außenpolitik orientiert sich nach Abgang des proiranischen Assads gen Westen. Ahmed al-Scharaa war der erste „Präsident Syriens“ seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1946, der zu einem Staatsbesuch nach Washington eingeladen wurde. Der Besuch wurde schon vorab als „historisch“ bezeichnet. Noch vor einem Jahr galt al-Scharaa in den USA als gesuchter Terrorist. Scharaa ist ein früherer Dschihadistenführer. Er saß im „Camp Bucca“ ein, einem Gefangenenlager, in dem während der US-Besatzung des Iraks gefährliche Islamisten gefangen gehalten wurden. Seine Islamistenallianz „Hayat Tahrir al-Scham“, unter deren Führung Assad gestürzt wurde, ist aus einem syrischen Al-Qaida-Ableger hervorgegangen. Noch kurz vor al-Scharaas Besuch im Weißen Haus ließ Washington den selbsternannten Präsidenten von einer Liste streichen, auf der die US-Regierung mit Sanktionen belegte Terroristen aufführt. Ein von den USA ausgesetztes Kopfgeld in Höhe von zehn Millionen US-Dollar auf al-Scharaa wurde bereits kurz nach dem Sturz Assads aufgehoben.

    Die US-Regierung unter Trump treibt derzeit die Aufhebung der Sanktionen gegen Syrien voran. Ein Teil der Sanktionen wurde bereits per Erlass des US-Präsidenten außer Kraft gesetzt. Die vollständige Aufhebung der US-Sanktionen können nicht Trump und die US-Regierung entscheiden, sondern nur der US-Kongress. Trump setzt sich dafür ein, dass der US-Kongress ein hartes Paket von Strafmaßnahmen aufhebt, das 2019 unter dem Namen „Caesar Act“ gegen das gestürzte Assad-Regime verabschiedet wurde.

    Eine Ankündigung al-Scharaas, dass sein Land sich an der US-geführten Koalition zum Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beteiligen werde, wurde kurz nach dem Treffen mit Trump offiziell bestätigt. Direkte Gespräche zur Normalisierung der Beziehungen mit dem Nachbarland Israel hat al-Scharaa vorerst ausgeschlossen. Angesprochen auf den Wunsch von US-Präsident Trump, dass auch Syrien den Abraham-Abkommen für eine Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten beitreten sollte, wies al-Scharaa auf Israels andauernde Besetzung der Golanhöhen hin. 

    Das Trump-Team hegt seit dem Machtwechsel in Syrien die Hoffnung, das Land ins Lager der „Abraham-Abkommen“ hinüberziehen zu können, also jener Länder, die Frieden mit Israel geschlossen haben. Trumps Sondergesandter Barrack erklärte unlängst am Rande des „IISS Manama Dialogue“, einer großen regionalen Sicherheitskonferenz, Syrien stehe kurz davor, ein Sicherheitsabkommen mit Israel zu unterzeichnen. Die Abmachung hätte einen gemeinsamen Nenner: die Eindämmung des iranischen Einflusses in der Levante. Den USA und Israel ist daran gelegen, den Einfluss des Irans in Syrien einzudämmen. Die Islamische Republik und ihre Milizen waren einige der wichtigsten Verbündeten Assads. Saudi-Arabien ist zudem über die außenpolitische Neuorientierung unter Scharaa erfreut. Denn der Islamist führt Syrien aus dem iranischen Orbit wieder in den Schoß der arabischen Staaten zurück. Der Kronprinz Muhammad bin Salman wird sich auch in der kommenden Woche in Washington für den syrischen Machthaber starkmachen.

    Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, der sich auf westliche und syrische Regierungsquellen beruft, bereiten die USA im Zuge der Annäherung an Damaskus den Aufbau einer militärischen Präsenz auf einem Luftwaffenstützpunkt in der Nähe der syrischen Hauptstadt vor. Dadurch würden der Iran und Russland einen geopolitischen Rückschlag erleiden.

    Militärpakt zwischen Saudi-Arabien und USA

    Was will Bin Salman im Weißen Haus erreichen? Ganz oben auf der Agenda steht ein Verteidigungspakt mit den USA. Vor allem, seit Israel das Hamas-Büro in Katar bombardiert hat, verhandelt Saudi-Arabien intensiv mit den USA über ein Verteidigungsabkommen nach NATO-Vorbild. Ende September hatten die USA Katar weitreichende Sicherheitsgarantien zugesagt. Zudem soll Riad Washington im Vorfeld über diplomatische Kanäle signalisiert haben, dass es seine Position zur Zweistaatenlösung als Voraussetzung für den Deal mit Israel nicht geändert hat. Saudi-Arabien möchte einen Militärdeal, der unabhängig von der Israel-Frage ist. Seit der Schwächung des Irans hat Saudi-Arabien Angst vor einer Expansionspolitik Israels in der Region und will den jüdischen Staat daher erst einmal diplomatisch nicht aufwerten.

    Angesichts der sich wandelnden regionalen Verhältnisse und der politischen Hürden in Washington scheint ein Verteidigungsbündnis nach NATO-Vorbild jedoch in weiter Ferne zu liegen. Ein solcher Pakt wäre wahrscheinlich mit Bedingungen verbunden, darunter Einschränkungen der wachsenden wirtschaftlichen und technologischen Beziehungen Saudi-Arabiens zu China. Dadurch würde es für Riad schwieriger werden, strategische Autonomie mit Sicherheitsgarantien der USA in Einklang zu bringen. Allerdings gibt es Gerüchte, dass der saudische Antrag auf Erwerb von F-35 bei Trump einen Durchbruch erzielt haben soll. Sollten die USA F-35-Jets an Riad liefern, würde dies die von Washington festgelegte Definition zur Aufrechterhaltung des „qualitativen militärischen Vorsprungs” Israels gegenüber seinen Nachbarn auf die Probe stellen.

    Der Gaza-Krieg und die Schwächung der vom Iran gelenkten „Achse des Widerstands” haben zwar massive Umwälzungen im Nahen Osten gebracht, es scheint sich jedoch kein Hegemon in der Region zu etablieren, da gegensätzliche Interessen aufeinanderstoßen. Die Saudis und die Türken profitieren von einem geschwächten Iran, würden aber keine Hegemonie Israels in der Region tolerieren. Trump steht in der Mitte und versucht, die heterogenen Interessen so auszugleichen, dass es den USA möglichst zugutekommt.