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  • Unruhe im Iran: Werden USA zuschlagen?

    USA wollen die Proteste im Iran nutzen, um Machtverhältnisse in der Region zu verschieben und die Hegemonie Israels in Nahost zu festigen. Bei allen außenpolitischen Abwägungen muss Trump die innenpolitische Lage berücksichtigen.

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    Anders als vor gut drei Jahren werden die jüngsten Proteste im Iran diesmal vor allem von der prekären Wirtschaftslage getragen – eine Folge westlicher Sanktionen und des staatlichen Versagens bei der Eindämmung der Inflation. Im Dezember verzeichnete die am Boden liegende Währung neue historische Tiefststände und die Inflation schoss in die Höhe. Vor diesem Hintergrund wurde die aktuelle Protestwelle im Basar von Teheran entfacht – zunächst von Handy-Verkäufern. Die Proteste griffen später auf weitere Sektoren und gesellschaftliche Schichten über. Die Proteste wandten sich jedoch schnell in Form einer von massiver Gewalt geprägten Revolte gegen die Staatsstrukturen und Sicherheitskräfte.

    Dabei setzten einige Gruppen von Protestierenden Moscheen in Brand, plünderten Banken und nahmen Krankenhäuser sowie Rettungsdienste ins Visier. In zahlreichen Kleinstädten an der Grenze zum Irak, in denen iranische Kurden leben, eröffneten bewaffnete Angreifer mit Kalaschnikow-Gewehren das Feuer auf Sicherheitskräfte. Der Staatsapparat wurde durch das Ausmaß der Proteste und der damit einhergehenden gewaltigen Unruhen überrumpelt. Nachdem sich Trump in die Lage im Iran eingemischt hatte, drohten die iranische Behörden mit gewaltsamem Vorgehen gegen die Demonstrierenden. Der Machtapparat hat am Wochenende abermals den Ton verschärft. Statt von „Aufrührern” ist nun durchgehend von „Terroristen” die Rede.

    Die Proteste im Iran haben bislang noch nicht die kritische Masse erreicht, die den Sicherheitsapparat ernsthaft herausfordern könnte. Selbst Zehntausende Demonstrierende bleiben wirkungslos, solange die Sicherheitskräfte geschlossen unter der Führung der Islamischen Republik agieren. Es fehlt vor allem an einer landesweiten Koordination der Proteste. Vor allem das Internet wurde vom Staat abgeschaltet. Nicht zu unterschätzen ist, dass der schiitische Staat über eine millionenstarke, fest verankerte Unterstützerbasis verfügt, selbst wenn diese nicht die Mehrheit der Bevölkerung ausmacht. Dass einige Gruppen von Protestierenden im Zuge der Unruhen im Land religiöse Stätten wie Moscheen und schiitische Heiligtümer in Brand gesetzt haben, könnte die religiös geprägte Anhängerschaft zusätzlich mobilisieren und die Unterstützung für die iranische Führung um Staatsoberhaupt Ali Chamenei festigen. Zudem ist entscheidend, dass der Basar bislang nicht zu einem erneuten Generalstreik aufgerufen hat. Ein Regimesturz bleibt daher vorerst unwahrscheinlich. Die Proteste scheinen bis zum 12. Januar, als die Regierung große Gegendemonstrationen veranstaltete, nachgelassen zu haben.

    Trump lässt Militärschläge gegen den Iran prüfen

    Die Islamische Republik befindet sich jedoch in einem Überlebensmodus – nicht aufgrund der anhaltenden Proteste im Land, sondern aufgrund ihrer geschwächten Position in der Region seit dem Gaza-Krieg. Die USA wollen nun die Revolte im Iran nutzen, um die Machtordnung in der Region zu verschieben und die Hegemonie Israels in Nahost zu festigen. Denn das Land befindet sich in ihrer schwächsten Position seit Jahrzehnten. Ausschlaggebend sind die weitgehende Ausschaltung der vom Iran gelenkten „Achse des Widerstands“ im Zuge des Gaza-Krieg: Israels Vorgehen in Gaza gegen Hamas und im Libanon gegen Hisbollah sowie der Sturz Assads in Syrien. Die islamische Republik, die einst als militärisches Schwergewicht galt, wurde vor allem im Zwölf-Tage-Krieg von Israel durch die Enthauptung ihrer Militärführung gedemütigt und hat seither einen Großteil seiner Abschreckungsfähigkeiten verloren.

    US-Präsident Donald Trump hat in den letzten Tagen wiederholt mit einer Intervention gedroht, sollte der Iran Gewalt gegen Demonstranten anwenden. Es gibt offenbar nun in der US-Regierung erste Gespräche über mögliche militärische Optionen gegen den Iran. Unterdessen warnte Teheran, dass das US-Militär und Israel „legitime Ziele” seien, sollte Iran vom US-Militär angegriffen werden.

    Die Frage ist, wen oder was ein möglicher US-Militärschlag treffen sollte. Im Juni hatte Trump kurz mit dem Gedanken eines Regimewechsels gespielt und getönt, man wisse, wo sich Chamenei verstecke. Die Optionen sind allerdings inzwischen begrenzt. Am ehesten käme ein symbolischer Schlag gegen das Regime infrage, der den Protesten zumindest vorübergehend neuen Auftrieb geben könnte. Es könnte aber genauso gut nach hinten losgehen und einen regionalen Krieg auslösen. Die radikalste Option wäre ein Angriff auf hochrangige Staatsmitglieder, womöglich sogar auf den Obersten Führer Ali Chamenei. Angesichts des erfolgreichen Einsatzes bei der Entführung Madurós in Venezuela könnte Trump versucht sein, auf ein Mordkommando zu setzen. Ein solches Unterfangen wäre im Iran jedoch ungleich komplizierter, und Chameneis Tod würde keineswegs das Ende der Islamischen Republik bedeuten – ein Blick nach Venezuela genügt.

    Die Gewalt im Iran erzeugt momentan ein verworrenes Bild und Trump neigt zu militärischen Interventionen, wenn sich ihm ein einfacher und schneller Weg zum Sieg bietet. Wenn die Lage jedoch unübersichtlich ist, hält er sich zurück. Im Jemen ging er im März 2025 gegen die Huthi vor, änderte jedoch schnell seine Meinung, als der ihm versprochene schnelle Sieg ausblieb und die Huthi beinahe zwei US-Kampfjets abgeschossen hätten.

    Derzeit ist Trump eher geneigt, einen Deal mit Teheran anzustreben. Er will die prekäre Lage des Landes in der Region und im Inneren ausnutzen, um den Ayatollahs mehr Zugeständnisse abringen zu können.  Laut eigenen Äußerungen des US-Präsidenten gibt es die entsprechenden Kanäle, die aktiv sind. Der Iran hat den USA nach Angaben von Trump am Wochenende um neue Verhandlungen gebeten. Trump baut zugleich den Druck auf Iran aus, indem er allen Handelspartnern des Irans mit Strafzöllen drohte.

    Ein Regimewechsel ist vorerst vom Tisch. In diesem Zusammenhang ist Trumps Umgang mit dem Sohn des ehemaligen Schahs aufschlussreich: Ein Treffen mit dem früheren Kronprinzen Reza Pahlavi schloss Trump ausdrücklich aus. Ähnlich agierte er in Venezuela, wo er es vorzog, mit der Vizepräsidentin und designierten Nachfolgerin Maduros zu verhandeln, statt die Nobelpreisträgerin María Corina Machado politisch aufzuwerten.

    Bei allen außenpolitischen Abwägungen muss Trump auch die innenpolitische Lage berücksichtigen. Er rechtfertigte die Militäraktion in Venezuela und die Entführung von Maduro vor allem damit, dass man Zugang zum Öl brauche und die amerikanische Dominanz in der westlichen Hemisphäre nicht infrage gestellt werden dürfe. Damit grenzte er sich auch von früheren Interventionen der Neokonservativen ab, gegen die sich seine tendenziell isolationistische MAGA-Bewegung richtet. Eine Intervention zugunsten der Protestbewegung im Iran würde ihm jedoch endgültig den Vorwurf einbringen, zu einem klassischen Interventionisten geworden zu sein. Trump bleibt allerdings nach wie vor unberechenbar.

  • Trump bricht mit einer jahrzehntealten Nahost-Doktrin: Wie Golfstaaten Israels Schlüsselrolle herausfordern?

    Die Golfstaaten fordern Israels Rolle als wichtigster US-Partner im Nahen Osten heraus.  Trump setzt auf milliardenschwere Investitionen der reichen Golfmonarchien, um die US-Wirtschaft zu stützen. Dies erfolgt auf Kosten Israels.

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    Im November letzten Jahr empfing Präsident Donald Trump Muhammad bin Salman mit allen militärischen Ehren, wie es in der Vergangenheit den Anführern der engsten westlichen Verbündeten vorbehalten war. Trump und Bin Salman stellen das Verhältnis zwischen Golfstaaten und USA auf eine neue Grundlage. Das hatte in Trumps erster Amtszeit begonnen und wurde bei seinem Besuch im Mai 2025 in Saudi-Arabien fortgesetzt.

    In den USA scheint sich vor diesem Hintergrund ein Sinneswandel in der Sicherheitspolitik gegenüber den Partnern im Nahen Osten vollzogen zu haben: Das Pentagon erwägt derzeit den Verkauf der fortschrittlichen F-35-Kampfflugzeuge an Saudi-Arabien und Katar. Die Lieferung an die Golfstaaten würde das militärische Gleichgewicht in der Region verändern und den qualitativen militärischen Vorsprung (QME) des israelischen Militärs beeinflussen. Denn Israel verliert damit die Lufthoheit im Nahen Osten.

    Die USA sehen sich aus Sicherheitsgründen gesetzlich verpflichtet, Israels militärischen Vorsprung in der Region zu wahren. Kritiker in Israel und den USA befürchten nun, dass der F-35-Lieferung an Golfstaaten diesen Vorsprung zumindest verkürzen könnte. Bislang ist Tel Aviv das einzige Land im Nahen Osten, das über F-35-Jets verfügt. Die Vorstellung, ein weiterer Regionalstaat könnte Zugang zu vergleichbarer Technologie erhalten, sorgt in israelischen Regierungskreisen für erhebliches Unbehagen. Zwar betont die israelische Regierung, der qualitative Vorsprung bleibt gewahrt. Strategisch gesehen rücken Golfstaaten jedoch näher an Fähigkeiten heran, die lange Zeit allein Israel vorbehalten waren.

    Im November unterzeichneten Trump und Bin Salman ein bilaterales „strategisches Verteidigungsabkommen“. Saudi-Arabien verpflichtet sich darin, amerikanische Rüstungsfirmen zu bevorzugen und die USA als seinen ersten strategischen Partner zu behandeln. Mit der kürzlich erfolgten Einstufung Saudi-Arabiens als „Major Non-NATO Ally” (Katar hatte bereits diesen Status) öffnete auch Washington dem Königreich zugleich den Zugang zu sensiblerer Militärtechnologie. Die Führung des Königreichs betrachtet dies als Teil einer umfassenderen Strategie. Washington festigt mit den jüngsten Verteidigungsabkommen die Rolle der Golfstaaten als zentrale Sicherheitspartner. Für Israel bedeutet dies, dass seine privilegierte Stellung bei US-Waffenlieferungen nicht mehr selbstverständlich ist.

    Wie Golfstaaten Israels Schlüsselrolle in Nahost gegenüber USA herausfordern?

    Seit dem zweiten Amtsantritt von Donald Trump hat sich die Beziehung zwischen den Golfstaaten und den USA verändert. Golfstaaten sind nicht mehr ein bloßer Juniorpartner der USA für preiswertes Erdöl. Saudi-Arabien steht vor allem heute strategisch auf einer Stufe mit Israel. Die Beziehungen zwischen den USA und den Golfstaaten haben in den vergangenen Jahren eine Art Revolution erlebt.

    Warum Washington auf einmal die Golfmonarchien aufwertet: Öl spielt dabei kaum noch eine Rolle, stattdessen geht es um Militärtechnologie, Investitionen und Künstliche Intelligenz. Neben Energie sind nämlich Kooperationen mit Golfstaaten in den Bereichen KI und kritische Mineralien heute entscheidend für die US-Hegemonie. In beiden Bereichen bietet sich vor allem Saudi-Arabien den USA als Partner an. Königreich könnte dazu beitragen, die Vorherrschaft Chinas bei Seltenen Erden aufzubrechen und eine ununterbrochene Lieferkette sicherzustellen. Das Land verfügt über die viertgrößten Mineralvorkommen weltweit, deren Wert auf 2,5 Billionen Dollar geschätzt wird. Auch andere Golfstaaten bieten sich als Partner zur Sicherung der Lieferkette bei Seltenen Erden an, da ihre Staatsfonds schnell Kapital bereitstellen können und ihre Energiekosten zu den niedrigsten weltweit zählen. Das ist von Bedeutung, da für die Separierung der Mineralien zehnmal so viel Energie benötigt wird wie für ihre Förderung. Saudi-Arabien und die USA arbeiten diesbezüglich an der Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens für ein Werk in Saudi-Arabien, das Seltene Erden verarbeiten und in die USA liefern soll. Bereits im Oktober 2025 hatten die USA und die Vereinigten Arabischen Emirate einen Fonds mit 1,8 Milliarden Dollar für Investitionen in die Lieferketten von Seltenen Erden aufgelegt.

    Ein weiteres von Washington und Riad unterzeichnetes Abkommen regelt inzwischen die Lieferung hochentwickelter Halbleiter nach Saudi-Arabien. Mohammad bin Salman plant massive Investitionen in die USA, mit Zusagen von 600 Milliarden, die auf bis zu 1 Billion steigen könnten, um gezielt in Technologie, insbesondere Künstliche Intelligenz (KI) und andere Sektoren zu investieren, um Arbeitsplätze zu schaffen und die wirtschaftliche Partnerschaft zu stärken, – was durch die Aufhebung von Exportbeschränkungen für KI-Chips an Riad durch die US-Regierung unterstützt wird.

    Bereits beschlossen ist die Lieferung von Nvidia-Chips an das saudische Unternehmen Humain, das in großem Umfang in die KI-Infrastruktur investieren will. Während des jüngsten Besuchs des Kronprinzen in Washington gab Elon Musk bekannt, dass sein Unternehmen xAI Kunde von Humain sein werde. xAI plant den Bau eines Datenzentrums mit einer Kapazität von 500 Megawatt in Saudi-Arabien. Saudi-Arabien strebt danach, ein regionales KI-Zentrum zu werden und in Kooperation mit den USA große Teile der KI-Nachfrage in Asien abzudecken. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) investieren auch intensiv in künstliche Intelligenz, bauen ihre digitale Infrastruktur aus und fördern internationale Kooperationen. Microsoft darf nun als erstes Unternehmen unter der Trump-Regierung fortschrittliche Chips in die Emirate exportieren.

    Warum sind USA auf Investitionen der Golfstaaten angewiesen?

    Obwohl Tech-Unternehmen Milliarden in Rechenzentren für künstliche Intelligenz (KI) investiert haben, wuchsen die Erlöse langsamer als erwartet. Oracle präsentierte zuletzt enttäuschende Zahlen. Eine Finanz- und Schuldenkrise oder ein Absturz des KI-Hypes an den Börsen könnte das Ende der hegemonialen Position der USA auf den Kapitalmärkten bedeuten. Trump setzte dabei auf Investitionen der Golfstaaten, deren Rolle für eine stabile US-Wirtschaft mittlerweile unverzichtbar ist.

    2019 wurde die Aramco-Ölanlage Ziel iranischer Drohnen. Die Unterstützung von Seiten der USA blieb aus. Im September des letzten Jahres führte Israel in der katarischen Hauptstadt Doha einen Angriff auf Hamas-Kommandeure aus. Seither fordern beide Staaten Sicherheitsgarantien von den USA. Die USA sind nun bereit Sicherheit der Golfstaaten zu leisten. Denn Trump betrachtet Golfstaaten im Nahen Osten nun als geoökonomischen Verbündeten, deren Engagement US-Wirtschaft retten könnte. Seit Trumps Amtsantritt haben sich die Golfstaaten für die USA unentbehrlich gemacht. Mögliche iranische Angriffe auf kritische Infrastrukturen in Dubai oder Riad würden nicht nur die massiven Investitionen in Rechenzentren gefährden, sondern auch die Investitionstätigkeit der Golfstaaten in den USA lahmlegen und einen Crash an der Wall Street auslösen. Und diese neue Entwicklung geht letztlich zu Lasten Israels.

  • Konflikte innerhalb der Anti-Huthi-Koalition eskalieren: Die Karten im Jemen neu gemischt

    Die Anti-Huthi-Kräfte sind zunehmend zerstritten. Die wachsende Spaltung könnte den Huthi neue Vorteile verschaffen. Wird Saudi-Arabien im Jemen-Konflikt mit dem Iran gegen die Vereinigten Arabischen Emirate paktieren?

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    Im Jemen kam es zuletzt zu Kämpfen zwischen von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützten Gruppen. In den vergangenen Wochen rückten die von den Emiraten unterstützten Separatisten im Süden des Landes vor, ohne auf Widerstand der Kräfte der international anerkannten Regierung zu treffen. Der von Separatisten geführte „Südübergangsrat“ (Southern Transitional Council, STC) im Süden des Jemen stellte sich mit seinen Angriffen gegen die übrigen Verbündeten im Präsidialrat. Dessen Vorsitzender Raschad al-Alimi verließ im Zuge der Offensive des STC den Regierungssitz in Aden und floh nach Saudi-Arabien.   Mittlerweile kontrollieren die STC-Einheiten nach ihrem Vormarsch fast alle Provinzen Südjemens. Südjemen wurde bis zur Wiedervereinigung im Jahr 1990 etwa drei Jahrzehnte lang als Demokratische Volksrepublik Jemen von einer kommunistischen Regierung geführt und verfügt über große Ölvorkommen. Die eroberten Gebiete machen etwa ein Drittel des Landes aus.  Die eigentliche Regierung kontrolliert nun nur noch winzige Gebiete Jemens.

    Im Jemen tobt seit rund zehn Jahren ein Bürgerkrieg. Die beiden mächtigsten Akteure sind dabei einerseits die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz im Norden und andererseits die von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Westen unterstützte Koalition der Anti-Huthi, wobei letztere die international anerkannte Regierung in Aden ausmacht. Die „offizielle Regierung“, also der sogenannte Präsidialrat, hat ihren Sitz in Aden. Dieses Gremium besteht aus verschiedenen Ethnien und Milizen, darunter auch die STC. Der Präsidialrat war sich oft nicht einig, doch die Gegnerschaft zur vom Iran gelenkten Huthi-Bewegung war ein einigendes Element.

    Saudi-Arabien und die VAE sind von daher eigentlich Verbündete im Kampf gegen die Huthi, treten jedoch im Süden schon länger zunehmend als Rivalen auf und verfolgen in dem Bürgerkriegsland unterschiedliche Ziele. Denn der STC strebt eine erneute Unabhängigkeit Südjemens an. Während STC von den Vereinigten Arabischen Emiraten gefördert wird, unterstützt Saudi-Arabien die islamische Islah-Partei, die zur Bewegung der Muslimbruderschaft zählt und deren Vorsitzender Präsident Raschad al-Alimi ist.

    Wie es weitergeht, wird nicht im Jemen, sondern in den Emiraten und in Saudi-Arabien entschieden. Riad strebt weiterhin einen einheitlichen Staat im Jemen an, der mit den von Iran gesteuerten Huthi Frieden schließt, da diese die saudische Grenze bedrohen. Abu Dhabi hingegen unterstützt der STC und tendiert zur Abspaltung des Südens, was Zugang zu Öl und Häfen bedeuten würde. Diese Rivalität lähmt nun die Anti-Huthi-Koalition.

    Saudi-Arabien begann im März 2015 in Zusammenarbeit mit einer Reihe von Verbündeten seitens der USA und mehrerer westlicher Staaten den blutigen Krieg gegen den Huthi. Bis zum Waffenstillstand im April 2022 führten die saudischen Luftschläge zu mehr als 9.000 Todesopfern und über 10.000 Verletzten unter der jemenitischen Zivilbevölkerung. Insgesamt wurden mehr als 25.000 Luftschläge durchgeführt. Die Saudis erreichten ihre Ziele in diesem Krieg nicht und stellten sich auf einen fragilen Friedensprozess mit Huthi ein, der bis heute anhält. Nun scheren die von den VAE unterstützten Kräfte aus der Koalition der Anti-Huthi aus. Damit dürfte das Gleichgewicht zwischen den Huthi-Milizen und ihren Gegnern kippen und die Lage im Jemen erneut destabilisieren.

    Annäherung Saudi-Arabiens an den Iran bei der Jemen-Frage?

    Huthi mit Sitz in Sanaa könnten von der Uneinigkeit in der generischen Allianz profitieren. Die internen Machtkämpfe ihrer Feinde sind ein Geschenk für die schiitische Bewegung. Sie soll bereits Truppen entlang der Grenzfronten neu aufgestellt haben. Allerdings in der Offensive der Separatisten von Süden sehen Huthi auch eine Gefahr. Denn der STC kontrolliert nun große Teile der südlichen Küste, die auch die Huthi für wirtschaftliche Aktivitäten genutzt hatten, nicht zuletzt den Schmuggel.

    Saudi-Arabien ist mit dem jüngsten Schritt des STC äußerst unzufrieden. Es ist denkbar, dass das Land eine mögliche Huthi-Offensive in Richtung Süden toleriert und damit die von den VAE unterstützten Separatisten schwächt. Vor allem pflegen die Saudis derzeit gute Beziehungen zu Teheran. Hinzu kommt, dass Saudi-Arabien und Israel sich seit dem Gaza-Krieg misstrauisch beäugen und Tel Aviv seit Jahren offen Sezessionisten im Südjemen unterstützt. Es gibt schon lange Berichte, dass Israel und die VAE die jemenitische Inselgruppe Sokotra als militärischen Vorposten gegen den Iran nutzen und dort militärische Aktivitäten betreiben.

  • Konflikt in Nahost brodelt: Droht ein neuer Krieg im Libanon?

    Eine neue Kampagne Israels gegen die Hisbollah dürfte eine Kette von Reaktionen in der gesamten Region auslösen. Teheran betrachtet eine neue Offensive Israels gegen die Hisbollah als Blaupause für eine mögliche nächste Runde des Kriegs mit dem Iran.

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    Nur wenige Tage vor dem ersten Jahrestag des Waffenstillstands zwischen Israel und der Hisbollah führte Tel Aviv am 23. November einen Luftangriff auf Beirut aus, bei dem Haytham Ali Tabatabai, der Militärchef der Hisbollah, getötet wurde. Einen Tag zuvor hatten israelische Angriffe mindestens 20 Menschen im Gazastreifen getötet, darunter einen Hamas-Kommandeur. Dieser Angriff war eine Reaktion auf eine Schießerei an der „Gelben Linie”, die den Gazastreifen in von Israel und der Hamas kontrollierte Gebiete teilt.  Auch an anderen Fronten brodelt es. Letzte Woche führte Israel einen Angriff im Süden Syriens durch, bei dem 13 Menschen in einem Feuergefecht getötet und zwei Mitglieder der Jama’a Islamiya, einer libanesisch-sunnitischen militanten Gruppe von IDF-Soldaten entführt wurden.

    Die Ermordung des Hisbollah-Militärchefs ereignete sich in einer Phase wachsender Spannungen, in der der Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon zunehmend ins Wanken geriet. Der von den USA und Frankreich vermittelte Waffenstillstand zwischen Israel und Hisbollah im November vergangenen Jahres sollte eigentlich die Hisbollah an der Wiederbewaffnung hindern. Er beinhaltete die Zusicherung, dass die libanesische Armee im Südlibanon stationiert würde und die verbliebenen Waffen der Hisbollah beschlagnahmen würde. Israel wirft der Hisbollah vor, sich neu zu formieren und ihr Waffenarsenal wieder aufzubauen. Nach Erkenntnissen israelischer Geheimdienste bewaffnet sich die Hisbollah wieder. Beobachter in Beirut berichten, sie baue eine neue Drohnenflotte auf.

    Die Regierung in Beirut strebt das „Monopol des Staates“ auf Waffen an. Präsident Joseph Aoun, früher Armeechef, scheut jedoch die Konfrontation mit der Hisbollah. Die Regierung von Präsident Trump erhöht daher den Druck. Der Nahost-Spitzendiplomat Tom Barrack bezeichnete den Libanon unlängst als gescheiterten Staat und erklärte, Washington werde einer etwaigen neuen israelischen Offensive nicht im Weg stehen. Das von Frankreich und den USA am 27. November 2024 vermittelte Friedensabkommen sieht unter anderem auch den Rückzug Israels aus dem Libanon vor. Dennoch sind israelische Truppen weiterhin an fünf Standorten auf dessen Territorium stationiert.

    Wer war der gerötete Hisbollah-Militärchef?

    Tabatabai wurde Ende November 2024, kurz nach Inkrafttreten des Waffenstillstands, als Militärchef ernannt und mit dem Wiederaufbau des militärischen Apparats der Hisbollah beauftragt, den Israel 2024 in großen ausmaß zerstört hatte. Tabatabai zählte zu den Gründern der Radwan-Kräfte, der wichtigsten Eliteeinheit der Hisbollah. Er wurde als militärischer Hardliner beschrieben, der Teheran tief loyal gegenüberstand.  Der erfahrene Kämpfer, Sohn einer libanesischen Mutter und eines iranischen Vaters, hatte sich in den Reihen der Milizen hochgearbeitet und maßgeblich zum Aufbau des iranischen Milizennetzwerks rund um Israel beigetragen. Er führte die libanesischen Milizen in Syrien an, als diese intervenierten, um Syrien unter Baschar al-Assad gegen Islamisten und Rebellen zu schützen. Auch wurde er in den Jemen entsandt, um die vom Iran unterstützten Huthi auszubilden. Seine letzte Aufgabe war es, die Militärkraft der Hisbollah nach deren Niederlage in einem zweimonatigen Krieg mit Israel vor einem Jahr wieder aufzubauen.

    Laut Erkenntnissen arabischer und israelischer Geheimdienste halfen seine Bemühungen der Hisbollah dabei, die über 2.500 Kämpfer, die die Gruppe im Krieg verloren hatte, weitgehend zu ersetzen. Zum Zeitpunkt seines Todes arbeitete er an der Etablierung eines Systems, in dem Einheitsführer potenzielle Nachfolger ausbilden, damit die Kämpfer nicht kampfunfähig werden, wenn ihre Anführer – wie im vergangenen Herbst – getötet werden. Wie das Wall Street Journal kürzlich berichtete, stockt die vom Iran unterstützte Hisbollah ihre Raketen, Panzerabwehrraketen und Artillerie wieder auf. Ein Teil dieser Waffen gelangt über Seehäfen und geschwächte, aber noch funktionierende Schmuggelrouten durch Syrien ins Land, ein anderer Teil wird von der Hisbollah selbst hergestellt.

    Steht ein weiterer Krieg vor der Tür?

    Die Waffenruhe zwischen der Hamas und Israel ist weiterhin fragil. Nach dem zwölftägigen Krieg befindet sich das Verhältnis zwischen dem Iran und Israel in einem Zustand zwischen Frieden und offener Konfrontation. Auch der syrische Konflikt ist weiterhin ungelöst: Die islamistische Zentralregierung steht unterschiedlichen oppositionellen Gruppen gegenüber, darunter auch kurdischen Kräften und Alawiten. Ein Konflikt in der Region, der am wahrscheinlichsten jederzeit erneut eskalieren könnte, ist aber jener zwischen der Hisbollah und Israel. Tel Aviv will die aktuelle Lage nutzen, da die Hisbollah seit dem Krieg im vergangenen Jahr so geschwächt ist wie seit Langem nicht mehr. Vor allem ihr Unterstützer Iran hat in der Region spürbar an Einfluss eingebüßt.

    Mit dem Luftangriff auf Beirut stellt sich nun die Frage nach einer Reaktion der Hisbollah deutlich dringender. Die Organisation hat bislang davon abgesehen, mit einem Gegenschlag auf die fortdauernden israelischen Angriffe zu reagieren. Im Jahr 2024 zerstörte Israel einen Großteil des Langstreckenraketenarsenals der Hisbollah sowie eine Kette unterirdischer Stützpunkte entlang der Grenze. Diese waren für einen möglichen Überraschungsangriff auf israelische Ortschaften im Norden des Landes errichtet worden – in einem deutlich größeren Ausmaß als der Angriff der Hamas auf Südisrael am 7. Oktober 2023. Man hielt es für möglich, dass die Hisbollah im Falle einer Eskalation zwischen dem Iran und Israel eine Bodenoffensive im Norden Israels starten würde. Doch der Angriff der Hamas auf Israel kam diesem Szenario zuvor. Seit dem Gaza-Krieg kam dann die Hisbollah der Hamas durch Angriffe auf Israel im Norden des Landes zu Hilfe. Dies wurde der Hisbollah schließlich zum Verhängnis und zog einen direkten Krieg mit Israel nach sich.

    In den vergangenen Jahren hat sich die Hisbollah-Führung in „strategischer Geduld geübt“. Diese Strategie entpuppte sich im vergangenen Jahr jedoch als gescheitert, als die Hisbollah nicht angemessen auf intensive Angriffe Israels auf den Libanon reagierte und am Ende durch die Tötung ihres Chefs und Pager-Attacke überrumpelt wurde. Nun bleibt abzuwarten, wie die Hisbollah auf die Tötung ihres Militärchefs reagieren wird, ohne dabei einen neuen großen Krieg zu riskieren und zugleich ihre massiv geschwächte Abschreckungskraft teilweise wiederherzustellen.

    Die aktuelle Lage in der Region

    Die erste Phase des Gaza-Plans geht zu Ende. Die Staaten der Region haben bereits Diskussionen über die zweite Phase begonnen, während bei fast allen Streitfragen noch Unklarheiten bestehen. Die Waffenruhe, die den zwölftägigen Krieg zwischen Israel und dem Iran im Juni beendete, hält vorerst. Israelische Regierungsvertreter warnen jedoch, dass ein weiterer Krieg mit dem Iran „nur eine Frage der Zeit ist”, sollte die Islamische Republik ihre Atom- und Raketenprogramme weiterentwickeln. Die Abkommen zu Gaza und dem Iran wurden von Trump vermittelt. Ein amerikanischer Versuch, den Streit zwischen Israel und Syrien um die Golanhöhen beizulegen, blieb bisher erfolglos. Trotz eines Sicherheitsabkommens zwischen den Nachbarn, das nach monatelangen Verhandlungen von USA vermittelt wurde, hält Israel weiterhin einen Teil des syrischen Territoriums völkerrechtswidrig besetzt.

    Eine neue Kampagne Israels gegen die Hisbollah dürfte eine Kette von Reaktionen in der gesamten Region auslösen. Teheran betrachtet eine neue Offensive Israels gegen die Hisbollah als Blaupause für eine mögliche nächste Runde des Krieges mit dem Iran und als Warnsignal für weitere Verbündete der Achse des Widerstands wie die Milizen im Irak und die Huthi im Jemen. Ein Krieg zwischen der Hisbollah und Israel würde auch die Stabilität der neuen antiiranischen Regierung in Syrien beeinflussen und das Land in einen ungewollten Konflikt hineinziehen.

  • Nach Bomben auf Iran: Syriens Machthaber und Kronprinz Bin Salman im Weißen Haus

    Syriens Außenpolitik orientiert sich nach Abgang des proiranischen Assads gen Westen. Mohammad Bin Salman will einen Militärpakt mit USA nach NATO-Vorbild. Gemeinsame Nenner sind die Eindämmung des Irans und die Furcht vor einer israelischen Vormachtstellung.

    Nach der Zerschlagung der Hisbollah-Führung durch Israel, dem Sturz Baschar al-Assads durch Islamisten in Syrien sowie den Angriffen der USA und Israels auf Atomanlagen im Iran befindet sich die Region in einer Übergangsphase. In dieser würden Israel, die Türkei und die Golfstaaten als neue Akteure die Machtverhältnisse bestimmen. Vor diesem Hintergrund besuchte kürzlich der syrische Machthaber al-Scharaa Washington. Auf diese spektakuläre Reise folgt in der kommenden Woche auch das Treffen zwischen Trump und Mohammed bin Salman im Weißen Haus.

    Syriens Außenpolitik orientiert sich nach Abgang des proiranischen Assads gen Westen. Ahmed al-Scharaa war der erste „Präsident Syriens“ seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1946, der zu einem Staatsbesuch nach Washington eingeladen wurde. Der Besuch wurde schon vorab als „historisch“ bezeichnet. Noch vor einem Jahr galt al-Scharaa in den USA als gesuchter Terrorist. Scharaa ist ein früherer Dschihadistenführer. Er saß im „Camp Bucca“ ein, einem Gefangenenlager, in dem während der US-Besatzung des Iraks gefährliche Islamisten gefangen gehalten wurden. Seine Islamistenallianz „Hayat Tahrir al-Scham“, unter deren Führung Assad gestürzt wurde, ist aus einem syrischen Al-Qaida-Ableger hervorgegangen. Noch kurz vor al-Scharaas Besuch im Weißen Haus ließ Washington den selbsternannten Präsidenten von einer Liste streichen, auf der die US-Regierung mit Sanktionen belegte Terroristen aufführt. Ein von den USA ausgesetztes Kopfgeld in Höhe von zehn Millionen US-Dollar auf al-Scharaa wurde bereits kurz nach dem Sturz Assads aufgehoben.

    Die US-Regierung unter Trump treibt derzeit die Aufhebung der Sanktionen gegen Syrien voran. Ein Teil der Sanktionen wurde bereits per Erlass des US-Präsidenten außer Kraft gesetzt. Die vollständige Aufhebung der US-Sanktionen können nicht Trump und die US-Regierung entscheiden, sondern nur der US-Kongress. Trump setzt sich dafür ein, dass der US-Kongress ein hartes Paket von Strafmaßnahmen aufhebt, das 2019 unter dem Namen „Caesar Act“ gegen das gestürzte Assad-Regime verabschiedet wurde.

    Eine Ankündigung al-Scharaas, dass sein Land sich an der US-geführten Koalition zum Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beteiligen werde, wurde kurz nach dem Treffen mit Trump offiziell bestätigt. Direkte Gespräche zur Normalisierung der Beziehungen mit dem Nachbarland Israel hat al-Scharaa vorerst ausgeschlossen. Angesprochen auf den Wunsch von US-Präsident Trump, dass auch Syrien den Abraham-Abkommen für eine Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten beitreten sollte, wies al-Scharaa auf Israels andauernde Besetzung der Golanhöhen hin. 

    Das Trump-Team hegt seit dem Machtwechsel in Syrien die Hoffnung, das Land ins Lager der „Abraham-Abkommen“ hinüberziehen zu können, also jener Länder, die Frieden mit Israel geschlossen haben. Trumps Sondergesandter Barrack erklärte unlängst am Rande des „IISS Manama Dialogue“, einer großen regionalen Sicherheitskonferenz, Syrien stehe kurz davor, ein Sicherheitsabkommen mit Israel zu unterzeichnen. Die Abmachung hätte einen gemeinsamen Nenner: die Eindämmung des iranischen Einflusses in der Levante. Den USA und Israel ist daran gelegen, den Einfluss des Irans in Syrien einzudämmen. Die Islamische Republik und ihre Milizen waren einige der wichtigsten Verbündeten Assads. Saudi-Arabien ist zudem über die außenpolitische Neuorientierung unter Scharaa erfreut. Denn der Islamist führt Syrien aus dem iranischen Orbit wieder in den Schoß der arabischen Staaten zurück. Der Kronprinz Muhammad bin Salman wird sich auch in der kommenden Woche in Washington für den syrischen Machthaber starkmachen.

    Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, der sich auf westliche und syrische Regierungsquellen beruft, bereiten die USA im Zuge der Annäherung an Damaskus den Aufbau einer militärischen Präsenz auf einem Luftwaffenstützpunkt in der Nähe der syrischen Hauptstadt vor. Dadurch würden der Iran und Russland einen geopolitischen Rückschlag erleiden.

    Militärpakt zwischen Saudi-Arabien und USA

    Was will Bin Salman im Weißen Haus erreichen? Ganz oben auf der Agenda steht ein Verteidigungspakt mit den USA. Vor allem, seit Israel das Hamas-Büro in Katar bombardiert hat, verhandelt Saudi-Arabien intensiv mit den USA über ein Verteidigungsabkommen nach NATO-Vorbild. Ende September hatten die USA Katar weitreichende Sicherheitsgarantien zugesagt. Zudem soll Riad Washington im Vorfeld über diplomatische Kanäle signalisiert haben, dass es seine Position zur Zweistaatenlösung als Voraussetzung für den Deal mit Israel nicht geändert hat. Saudi-Arabien möchte einen Militärdeal, der unabhängig von der Israel-Frage ist. Seit der Schwächung des Irans hat Saudi-Arabien Angst vor einer Expansionspolitik Israels in der Region und will den jüdischen Staat daher erst einmal diplomatisch nicht aufwerten.

    Angesichts der sich wandelnden regionalen Verhältnisse und der politischen Hürden in Washington scheint ein Verteidigungsbündnis nach NATO-Vorbild jedoch in weiter Ferne zu liegen. Ein solcher Pakt wäre wahrscheinlich mit Bedingungen verbunden, darunter Einschränkungen der wachsenden wirtschaftlichen und technologischen Beziehungen Saudi-Arabiens zu China. Dadurch würde es für Riad schwieriger werden, strategische Autonomie mit Sicherheitsgarantien der USA in Einklang zu bringen. Allerdings gibt es Gerüchte, dass der saudische Antrag auf Erwerb von F-35 bei Trump einen Durchbruch erzielt haben soll. Sollten die USA F-35-Jets an Riad liefern, würde dies die von Washington festgelegte Definition zur Aufrechterhaltung des „qualitativen militärischen Vorsprungs” Israels gegenüber seinen Nachbarn auf die Probe stellen.

    Der Gaza-Krieg und die Schwächung der vom Iran gelenkten „Achse des Widerstands” haben zwar massive Umwälzungen im Nahen Osten gebracht, es scheint sich jedoch kein Hegemon in der Region zu etablieren, da gegensätzliche Interessen aufeinanderstoßen. Die Saudis und die Türken profitieren von einem geschwächten Iran, würden aber keine Hegemonie Israels in der Region tolerieren. Trump steht in der Mitte und versucht, die heterogenen Interessen so auszugleichen, dass es den USA möglichst zugutekommt.