Mit dem jüngsten Referendum in Venezuela würde sich eine neue Front gegen die USA abzeichnen, die sich bis auf den „Hinterhof“ der USA in Lateinamerika erstreckt. Den US-Rivalen würde das nutzen, weil Washington damit neben der Ukraine und Gaza auf dem dritten Kontinent eingreifen müsste.

Mit einer Volksabstimmung am Wochenende bekräftigte Venezuela seinen Anspruch auf einen großen Teil des Staatsgebietes von Guyana, der ehemals britischen Kolonie am Ostzipfel Südamerikas. Schon seit der Kolonialzeit gelten das Gebiet Essequibo und die Grenzziehung zwischen Venezuela und Guyana als umstritten. Das Land hatte damals den spanischen Kolonien und den Niederländern gehört, die es später an die Briten abtraten. Nach der Unabhängigkeit Guyanas 1966 einigten sich Venezuela, Großbritannien und Guyana in einem Abkommen auf eine friedliche Beilegung des Streits. Heute interpretiert Venezuela die Einigung als Anerkennung seiner Forderungen.
In den vergangenen Jahren hat allerdings der Territorialkonflikt eine zusätzliche Komponente erhalten. Die Region Essequibo ist nicht nur reich an Gold und Diamanten. 2015 erhielt der US-Energiekonzern ExxonMobil eine Konzession für Ölexplorationen vor der Küste Guyanas. Wenig später wurde dann ein reichhaltiges Ölfeld entdeckt, das in die Gewässer vor Essequibo hineinreicht, auf die Venezuela Gebietsansprüche erhebt. Der US-Konzern betreibt bereits mehr als ein Dutzend Offshore-Ölfelder, die zu Guyana gehören. Eines davon hat einen geschätzten Wert von mehr als 40 Milliarden US-Dollar. Als Venezuela 2008 das Ölgeschäft verstaatlichte, orientierten sich Exxon und Shell, die bereits seit Jahren Erkundungserlaubnisse praktisch ungenutzt gelassen hatten, plötzlich nach Guyana um.
Venezuela legte bewusst die Abstimmung auf Anfang Dezember, da die USA von den kriegerischen Konflikten in Nahost und der Ukraine abgelenkt sind und dementsprechend die internationale Aufmerksamkeit für Südamerika derzeit gering ist. Der Streit in Südamerika könnte sich inzwischen zu einer internationalen Krise weit über die Region hinaus ausweiten, bis hin zu einer militärischen Aktion, falls die USA auf die Provokation Venezuelas, selbst wiederum ein enger Verbündeter Irans und Russlands, eingehen.
Mit dem jüngsten Referendum in Venezuela würde sich eine neue Front gegen die USA abzeichnen, die sich bis auf den „Hinterhof“ der USA in Lateinamerika erstreckt. Die Ukraine und Israel liegen weit entfernt vom Atlantik. Vor diesem Hintergrund ist es auch möglich, dass Russland und Iran, sowie China Maduro zur Aufwärmung des alten Grenzstreites angeregt haben, um die US-Interventionen in der Ukraine und Gaza zu beeinträchtigen.
Russland ist neben China und Iran der wichtigste Partner Venezuelas und unterstützt das Land, insbesondere mit Militärgütern. Es gibt Berichte, denen zufolge Maduro noch in diesem Jahr Russland besuchen wolle. China ist Venezuelas wichtigster Gläubiger und lässt sich die Schulden mittlerweile sogar mit Erdöl zurückzahlen. Washington kündigte nun eine gemeinsame Militärübung mit Guyanas Armee an.
Bricht in Lateinamerika ein weiterer Krieg vom Zaun, könnten USA sich abermals gezwungen sehen, Unterstützung zu leisten – zumal es um wichtige Ölvorkommen geht. Den US-Rivalen würde das nutzen, weil Washington damit auf dem dritten Kontinent eingreifen müsste. Durch einen möglichen Krieg am Ostzipfel Südamerikas werden die Energiepreise in die Höhe schnellen, wovon wiederum die unter den US-Sanktionen leidenden Staaten profitieren.



