Der Iran hat im Krieg gegen Israel nicht kapituliert. Israel hat insofern einen Sieg errungen, als es das iranische Atomprogramm um Jahre zurückgeworfen hat.

Israel und der Iran hätten gute Gründe, den Krieg nach einem zwölf Tage andauernden Schlagabtausch zu beenden. Netanjahu hat sein größtes Ziel bereits erreicht: Er hat Trump zu einem Schlag gegen die iranischen Atomanlagen bewegt, den Israel in dieser Form selbst nicht hätte führen können. Von außen lässt sich nicht beurteilen, wie erfolgreich der US-Angriff auf die Atomanlage Fordow war. Vermutlich hat das iranische Atomprogramm jedoch einen Rückschlag erlitten. Israel hat insofern einen Sieg errungen, als es das iranische Atomprogramm um Jahre zurückgeworfen hat.
Nach den US-Angriffen auf Irans Atomanlagen steht nun die große Frage im Raum: Inwieweit hat der Angriff dem iranischen Atomprogramm geschadet? In seiner Rede im Weißen Haus erklärte Trump, das iranische Atomprogramm sei „vollständig und gänzlich vernichtet“ worden.
Tel Aviv konnte das iranische Atomprogramm jedoch nicht vollständig vernichten. Der amerikanische Angriff auf drei iranische Nuklearanlagen hat das Atomprogramm des Irans in Teheran offenbar nur um einige Monate zurückgeworfen. Eine nachrichtendienstliche Einschätzung kam nach der Waffenruhe zu dem Ergebnis, dass das Bombardement der USA die Atomanlagen im Iran nicht zerstören konnte. Dies berichten die New York Times und der Sender CNN unter Berufung auf Regierungsvertreter, die mit dem Bericht des militärischen Geheimdienstes (DIA) vertraut sind.
Hinzu kommt, angesichts der aktuellen Situation wird schon darüber spekuliert, ob es dem Iran gelungen ist, das bereits hochangereicherte Uran sowie die wichtigen Komponenten vor Angriffen der USA und Israels in Sicherheit zu bringen. Aufgrund der entstandenen Schäden wird auch die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) nicht in der Lage sein, die Bestände des Iran zu erfassen. Nach Informationen der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) verfügt der Iran über 400 Kilogramm hochangereichertes Uran (HEU) mit einer Reinheit von 60 Prozent.
Es gibt Berichte, denen zufolge der Iran vor dem US-Angriff seine Vorräte an hochangereichertem Uran an sichere Orte gebracht hat. Dabei ist anzumerken, dass Satellitenbilder ungewöhnliche Aktivitäten in Fordow wenige Tage vor dem US-Angriff zeigen. Hochauflösende Satellitenbilder, die am 19. und 20. Juni aufgenommen wurden, zeigen eine ungewöhnliche Ansammlung von Lastwagen und Fahrzeugen in der Nähe des Eingangs zur unterirdischen Brennstoffanreicherungsanlage. Georg Steinhauser, Professor für angewandte Radiochemie an der Technischen Universität Wien, schätzt, dass 400 Kilogramm keine große Menge seien und sich daher leicht schmuggeln lassen: „Das passt in drei Schuhkartons.“
Der Iran verfügt über nukleares Know-how und einen Vorrat an hochangereichertem Uran. Ein Teil davon dürfte in einem optimistischen Szenario unter den Ruinen seiner Anlagen in Fordow und Isfahan unzugänglich sein. Es ist durchaus möglich, dass die nukleare Offensive langfristig wieder aufflammt.
Der Iran verfügt noch immer über zahlreiche Raketenabschussrampen, selbst wenn nach Darstellung der israelischen Regierung die Hälfte davon zerstört worden sein sollte. Der Iran verfügt über zahlreiche Raketenstädte, die in ganzem Land verstreut sind und von israelischen Angriffen verschont geblieben sind. Die Schlagkraft des iranischen Raketenprogramms ist insofern weiterhin intakt. Auch die Israelis haben sich verkalkuliert, was die Reaktionen der iranischen Bevölkerung betrifft. Der Krieg hat die Iraner vereint und jegliche Gefahr von Unruhen nach der Zerschlagung der Militärführung im Land gebannt.
Trump hat einen begrenzten Angriff durchgeführt. Dieser diente dazu, das iranische Atomprogramm um mehrere Jahre zurückzuwerfen. Der Präsident wollte eine breitere Eskalation vermeiden. Einen einmaligen Schlag gegen Anlagen, die eine potentielle nukleare Bedrohung darstellen, werden die isolationistischen Teile der MAGA-Bewegung ihrem Idol verzeihen.
Der vergleichsweise kleine und eher symbolische iranische Gegenschlag auf einen amerikanischen Stützpunkt in Katar zeigt, dass dem Iran die militärische Überlegenheit der USA bewusst ist. Auch im Zuge des Iran-Israel-Konflikts wurde deutlich, dass China und Russland gar kein Interesse daran haben, ihrem Verbündeten Iran militärisch beizustehen. Im Gegenteil, sie haben sogar ein Interesse daran, dass US-Ressourcen in einen Krieg im Nahen Osten gebunden werden.
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