Iran und Russland nutzen die aktuellen Kriegsschauplätze zur Kraftprobe mit dem kollektiven Westen. Die USA und deren Verbündete bündeln ihre Kräfte gegen die aufsteigenden Mächte im Osten.

Moskau und Teheran nutzen derzeit die beiden aktuellen Brennpunkte der Weltpolitik, nämlich Gaza und die Ukraine, zu einer kalkulierten Kraftprobe mit dem kollektiven Westen. Zugleich bündeln die USA und deren Verbündete ihre Kräfte gegen die aufsteigenden Mächte im Osten. Mit seinem direkten Angriff auf Israel als Reaktion auf den völkerrechtswidrigen Luftangriff der IDF auf die iranische Botschaft in Damaskus hat Iran die bisherigen Spielregeln beim Ringen um die Vormachtstellung in der Region für nichtig erklärt. In den vergangenen Jahren musste der Westen nie bei der Abwehr eines solch massiven Luftschlags gegen einen Verbündeten helfen wie im Fall des iranischen Großangriffs auf Israel: Als Iran seinen Großangriff auf Israel startete, kam zum ersten mal eine israelisch-arabische Luftverteidigungsallianz gegen Teheran in Einsatz, um iranische Flugkörper auf dem Weg nach Israel abzuwehren. Das zeigte, dass der Krieg in Gaza die jüngere diplomatische Dynamik des Nahen Ostens weniger beschädigt hat, als die hitzigen Debatten über Israels Kriegsverbrechen oft nahelegen. Denn die Abraham-Abkommen, die eine Aussöhnung Israels mit immer mehr arabischen Staaten zum Ziel haben, haben bislang gehalten. Und sie werden derzeit für die Golfstaaten nicht an Attraktivität verlieren, solange Teheran sein Atomprogramm vorantreibt.
Auf dem anderen Schlachtfeld rüstete der Westen erneut die Ukraine gegen Russland auf. Der US-Kongress genehmigte kürzlich ein großes Hilfspaket für die Ukraine. Der Gesetzentwurf, der Hilfen im Umfang von rund 61 Milliarden US-Dollar für Kiew vorsieht, umfasst auch Gelder für Israel und Taiwan. Die Ukraine, Israel und Taiwan bekommen insgesamt Hilfen in Höhe von 95 Milliarden US-Dollar. Der Entscheidung ging ein monatelanger Konflikt voraus. Der Gesetzentwurf ermöglicht es unter anderem Joe Biden, russische Vermögenswerte zu beschlagnahmen. Einen Rückschlag musste damit Russland hinnehmen, da das neue US-Waffenpaket es dem Kreml schwer machen wird, in absehbarer Zeit eine neue Offensive in der Ukraine zu starten. Wenn im Sommer auch wieder mehr Munition aus Europa kommt, dann müsste Russland wieder mit schweren Verluste rechnen, – während der Krieg Russlands Ressourcen weiter bindet.
Im Hintergrund unterstützt China seine Partner Russland und Iran im Rahmen eines Zweckbündnisses, indem es Öl und Gas aus Russland und Iran bezieht. Vor diesem Hintergrund reiste der US-Außenminister vor Kurzem nach China, um die aufsteigende Weltmacht in Asien von der Unterstützung Irans und Russlands abzubringen. Die chinesischen Öl- und Gaskäufe und die Hilfe für die russische Rüstungsindustrie haben die Wirkung der westlichen Sanktionen geschmälert. Die sogenannte „regelbasierte“ Welt, und zwar eine Welt westlich-amerikanischer Dominanz, wird nicht wieder zurückkehren. Der Westen arbeitet aber daran die mögliche Entstehung einer Achse Moskau-Peking-Teheran zu hintertreiben, damit er mehr Zeit für den finalen Kampf mit seinem Hauptrivalen China gewinnen kann.
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