100 Tage Gaza-Krieg: Eine strategische Niederlage für Israel

Der Krieg Israels gegen Gaza dauert seit 100 Tagen an. Obwohl die Verluste der Palästinenser deutlich größer als auf israelischer Seite sind, fällt es Tel Aviv schwer, einen strategischen Sieg zu erreichen. Es besteht für Israel die Gefahr, dass die Kämpfe stagnieren.

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Der Krieg Israels gegen Gazastreifen dauert seit 100 Tagen an. Mittlerweile hat die israelische Armee begonnen ihre Einheiten stückweise aus dem Gazastreifen zurückzuziehen. In den vergangenen Wochen hat die IDF wahllos Infrastrukturen in Gaza bombardiert, wobei sie die Enklave belagert und einen Großteil davon in Schutt und Asche gelegt hat. Israel ist es letztendlich nicht gelungen, die untergetauchten Hamas-Anführer Mohammed Deif und Yahya Sinwar in Gaza zu finden und israelische Geiseln freizubekommen. 

Fast drei Monate nach Beginn der israelischen Bodenoffensive im Gazastreifen sorgt die Hamas mit einem Übergang zu Guerilla-Taktiken für zunehmende Verluste unter Israels Bodentruppen. Vor kurzem teilte der Hamas-Chef Yahya Sinwar im Gazastreifen mit, dass die palästinensischen Kämpfer der israelischen Armee schwere Verluste an Leben und Ausrüstung zugefügt hätten. Die Hamas soll mindestens 5000 israelische Soldaten angegriffen und davon ein Drittel getötet haben. Diese Zahlen widersprechen den offiziellen Angaben der israelischen Armee, die von etwa 200 im Gazastreifen getöteten israelischen Soldaten berichtet. Der Verdacht steht aber im Raum, dass Tel Aviv seine schweren Verluste zu vertuschen versucht.

Tel Aviv ist vor diesem Hintergrund weiter vom Erreichen seiner Kriegsziele entfernt als gedacht. Israel wurde vom Umfang der Hamas-Tunnel im Gaza-Streifen überrascht. Die Zerstörung der freigelegten Tunnel dauert nun länger, als es der für den Militäreinsatz angedachte Zeitplan vorgesehen hat. In den ersten beiden Monaten des Gaza-Krieges hatte es auch die Annahme gegeben, die Hamas werde aufgrund der hohen Verluste in ihren Reihen aufhören zu kämpfen. Dies ist nicht passiert, und es ist auch zweifelhaft, ob dies noch geschehen würde. Obwohl die Verluste der Palästinenser deutlich größer als auf israelischer Seite sind, fällt es Tel Aviv schwer, einen strategischen Sieg zu erreichen. Es besteht für Israel die Gefahr, dass die Kämpfe stagnieren. Hinzu kommt, Israel befindet sich seit drei Monaten in einem Ausnahmezustand. In Israel mussten laut Regierungsangaben mehr als 200.000 Menschen ihr Zuhause verlassen, um sich im Süden des Landes vor Angriffen der Hamas und im Norden vor Attacken der libanesischen Hisbollah in Sicherheit zu bringen.

Schwere Verlust in Gaza gehen zugleich mit neuen Enthüllungen über gravierende Fehler der israelischen Armee bei der Abwehr des Überfalls der Hamas am 7. Oktober einher. Es wurden in letzter Zeit mehrere Indizien dafür geliefert, dass Israel auf den Hamas-Angriff am 7. Oktober mit schweren Geschossen, unter anderem aus Panzern, Apache-Hubschraubern und bewaffneten Drohnen, reagierte und dabei neben den von der Hamas Getöteten auch einige seiner eigenen Soldaten und Bewohner in den Kibbuzim als Kollateralschaden oder versehentlich tötete. Die Berichte von Augenzeugen sowie an die Öffentlichkeit durchgesickertes Filmmaterial von Zusammenstößen beim Überfall der Hamas auf Israel ließen vermuten, dass die israelischen Truppen in ihrer Verzweiflung wahllos mit schweren Waffen auf ihre eigenen Bürger geschossen haben.

Es gibt derzeit viel zu viele Fronten, an denen ein neuer Krieg im Nahen Osten ausbrechen könnte. Einige Beobachter argumentieren, dass Israel versucht, die USA in einen direkten Krieg mit der Hisbollah oder den Huthi im Jemen hineinzuziehen, was von US-Beamten seit Beginn des Angriffs auf den Gazastreifen befürchtet wurde. Die von den USA geführten jüngsten Luftangriffe auf den Jemen als Reaktion auf Angriffe der Huthi auf die Schifffahrt im Roten Meer lenkten bereits die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit wieder auf armes Land, das in den vergangenen Jahren einem brutalen Krieg der von Saudis und dem Westen geführten Koalition ausgesetzt war. 

Der US-Präsident ist laut Washington Post schon besorgt, dass der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu ein Übergreifen des Kampfes auf den Libanon als Schlüssel für sein politisches Überleben betrachten könnte, da seine Regierung im eigenen Land kritisiert wird, den Angriff der Hamas am 7. Oktober nicht verhindert zu haben, bei dem schätzungsweise 1.200 Menschen ums Leben kamen und etwa 240 Geiseln nach Gaza gebracht wurden.

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