Unterbrechung der Lieferkette: Wie bedroht die Huthi eine der Schlagadern der von den USA dominierten Weltordnung?

Die Schifffahrt durch das Rotes Meer bricht ein: Die Huthis im Jemen attackieren in großem Ausmaß Schiffe in der Meerenge Bab al-Mandab, um sie an einer Durchfahrt in Richtung Israel zu hindern. Die Huthi-Bewegung als verlängerter Arm Irans zielt darauf ab, den Strippenzieher des Gaza-Kriegs nämlich die USA herauszufordern, indem sie die westliche Lieferkette über den Suez-Kanal gefährdet.

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Die Huthi-Bewegung (Ansarullah) aus Jemen greift seit Wochen Frachter im Roten Meer an, um eine neue Front gegen Israel im Gaza-Krieg zu eröffnen. Wenige Wochen nach dem Überfall der Hamas auf Israel erklärte die von Iran unterstützte Huthi-Bewegung Israel den Krieg. Raketen und Drohnen der Huthi erreichten inzwischen die über 1500 Kilometer vom Jemen entfernte Stadt Eilat im Süden Israels. Doch schon bald stellten sich die Huthis auf einen neuen effektiveren Weg um um Israel und seinen westlichen Verbündeten zu schaden. Die Huthis attackieren seit dem Gaza-Krieg westliche Schifffahrtslinien im Roten Meer, um sie an der Durchfahrt in Richtung Israel zu hindern.  Alles begann mit der „Galaxy Leader“. Seit dem 19. November sind das Frachtschiff und seine Besatzung in Geiselhaft der Huthi. Der Frachter fuhr unter der Flagge der Bahamas und gehört zum Teil einem israelischen Reeder. 12 Prozent des Welthandels laufen durch das Rote Meer und den Suezkanal. Zu Spitzenzeiten passieren täglich rund 500 Containerschiffe die Strasse von Bab al-Mandab im Süden Jemens, die nur etwa 30 Kilometer breit ist.

Vor dem Hintergrund der ununterbrochenen Huthi-Angriffe auf Schiffe setzen nun mehrere der weltgrößten Reedereien ihre Fahrten durch das Rote Meer aus. Nachdem Mærsk und Hapag-Lloyd den Containerverkehr eingestellt hatten, folgten diesem Beispiel auch die Schifffahrtsunternehmen MSC und CMA CGM. Wegen der anhaltenden Angriffe der Huthi auf Frachtschiffe stellte zudem die taiwanische Reederei Evergreen den Frachtverkehr mit Israel ein. Malaysia gab auch kürzlich bekannt, dass der israelischen Reederei „ZIM“ die Durchfahrt in den Hoheitsgewässern seines Landes wegen des Völkermords an den Palästinenser durch die israelische Armee untersagt wird.

Europa erhält über das Rote Meer und den Suezkanal sein gesamtes Flüssigerdgas aus Katar sowie einen Großteil des Öls vom Arabischen Golf. Sollte der Transport über das Rote Meer zum Erliegen kommen, ist mit Versorgungsengpässen und einer Preisexplosion in Europa zu rechnen. Infolge der pro-palästinensischen Marineoperationen der Huthis im Jemen sind die Schifffahrtskosten im Roten Meer erheblich gestiegen, sodass Unternehmen – darunter auch israelische – gezwungen sind, teure Umleitungen zu wählen und die Preise zu erhöhen. Anfang dieses Monats begann das israelische Schifffahrtsunternehmen ZIM, Alternativrouten um Afrika herum einzurichten.

Durch die Huthi-Aktion ist eine der wichtigsten weltweiten Handelsrouten, nämlich der Suezkanal, gestört. Der Jemen liegt direkt an der Einmündung in das Rote Meer und fungiert damit als Vorposten zum Suezkanal. Da die Einnahmen aus dem Suezkanal für Ägypten sehr wichtig sind, könnte dies auch die Politik der ägyptischen Regierung beeinflussen. Neben dem Suezkanal gibt es auch am Panamakanal derzeit infolge einer Dürre massive Probleme.  Es gibt nicht genügend Wasser im Panamakanal, der den Atlantik mit dem Pazifik verbindet. Einige Schiffe nehmen schon einen wesentlich längeren Weg in Kauf und fahren um die Südspitze Südamerikas herum. Der Suezkanal verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer und bietet damit die kürzeste Verbindung auf dem Seeweg zwischen Asien und Europa. Die Alternativstrecke um das südafrikanische Kap der Guten Hoffnung verlängert auch die Transporte um einige Tage. Dadurch steigen nicht nur die Containerfracht-, sondern auch die Ölpreise.

Der Konflikt hat mittlerweile schon eine neue Stufe der Eskalation erreicht. Die USA haben kürzlich eine Militärkoalition gegen die Huthi gebildet. An der neuen Sicherheitsinitiative mit dem Namen „Operation Prosperity Guardian“ beteiligen sich nach Angaben des Pentagon mehrere Länder, darunter das Vereinigte Königreich, Bahrain, Kanada, Frankreich, Italien, die Niederlande, Norwegen, die Seychellen und Spanien. Dabei ist allerdings anzumerken, dass kein weiterer arabischer Staat außer Bahrain sich mit Irans Stellvertreter (Huthi) im Rahmen der neuen von den USA geführten Militärkoalition anlegen wollte.

Die Huthi-Bewegung ist Irans verlängerter Arm am Roten Meer und ein wesentlicher Teil der sogenannten Achse des Widerstandes in der Region, die darauf abzielt, die USA zum Abzug aus Nahost zu zwingen.  Das Arsenal an Anti-Schiff-Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen, auf das die Huthis zurückgreifen, beruht auf Unterstützung aus Iran. Der iranische Verteidigungsminister Mohammad Reza Ashtiani hat bereits gedroht, eine multinationale maritime Eingreiftruppe im Roten Meer werde mit „außergewöhnlichen Problemen“ konfrontiert sein. „Niemand kann einen Vorstoß in einer Region machen, die wir dominieren.“

Iran hat längst eine hybride Kriegsführung gegen die USA begonnen, die zum Ziel hat, die Kosten der westlichen Militäroperationen in Nahost zu erhöhen. Aus iranischer Sicht ziehen im Gaza-Krieg die USA die Fäden, wobei die Golfstaaten und die Türkei trotz der Solidaritätsbekundungen mit den Palästinensern an Seite der USA mitmachen. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Jordanien helfen Israel schon dabei die Huthi-Blockade zu umgehen: Tel Aviv hat inzwischen einen neuen alternativen Landkorridor – nämlich über die Häfen von Dubai im Persischen Golf über Saudi-Arabien nach Jordanien – für Warentransport eingerichtet, um die durch die Huthi gestörte Schifffahrt in Richtung Israels auszugleichen.

Die schiitische Bewegung, die seit September 2014 die Hauptstadt Sanaa und weitere Gebiete im Jemen kontrolliert, hat sich mit iranischer Unterstützung zu einer militärischen Kraft entwickelt, deren Arm mittlerweile weit über die Grenzen des Jemen hinausreicht. Nun spielt Iran die Huthi-Karte, um damit eine Schlagader der Globalisierung unter der US-Führung zu bedrohen, während Teheran erstmals seinen Verbündeten Hisbollah im Libanon -abgesehen von kleinen Nadelstichen – gegen Israel nicht zuschlagen lassen will.

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